Gute Gründe

Es gibt erhebliche ethische Kritik an der Zucht, Haltung und Tötung der von Menschen genutzten Tiere, sowohl prinzipieller Art als auch an der tatsächlichen Praxis. Die meisten haben höchstens eine ungefähre Vorstellung davon, wie kommerzielle Tierhaltung funktioniert, die Fantasie für die grausamen Details fehlt den meisten. Um die enormen Mengen billigen Fleisches und Fisches zu liefern, die wir konsumieren, muss die Industrie zwangsläufig moralische Standards überschreiten, die den meisten selbstverständlich erscheinen. Doch selbst wenn wir versuchen, industrielle Tierhaltung nicht zu unterstützen und auf den Kauf von möglichst nachhaltig erzeugten Produkten aus bäuerlichen Familienbetrieben zu achten – es wird nicht möglich sein, unseren Fleisch- und Fischkonsum ethisch einwandfrei zu gestalten, schon gar nicht in seinem derzeitigen Ausmaß.

Wir können erstaunlich viel zur Lösung globaler Probleme beitragen, wenn wir den pflanzlichen Anteil unserer Ernährung deutlich erhöhen. Denn mit dem Verzehr oder der Erzeugung von Fleisch hängen etliche weitere Probleme von zum Teil globaler Bedeutung zusammen:

• Keime werden zunehmend resistent gegen Antibiotika. Es entwickeln sich zudem neue Krankheitserreger, die von Nutztieren auf den Menschen übergehen können, wie Schweinegrippe, Vogelgrippe und EHEC.

• Treibhausgase aus der Haltung (vor allem Methan), aus der Erzeugung von Futtermitteln und der Änderung der Landnutzung (Abholzung von Wäldern für Weiden, Umbruch von Grasland für Futtermittelanbau) verändern das Klima.

• Die industrielle Landwirtschaft fördert den Verlust der biologischen Vielfalt und ist eine erhebliche Belastung von Ökosystemen durch Landnutzungsänderungen, Futtermittelanbau in Monokulturen, Pestizideinsätze, möglicherweise auch durch den Einsatz gentechnisch veränderter Organismen sowie durch den hohen Eintrag von Stickstoff, Ammoniak und Antibiotika aus den Fäkalien der Nutztiere in die Umwelt.

• Der Futtermittelanbau ist mitverantwortlich für den hohen Wasserverbrauch auch in Gebieten, die sensibel auf die Absenkung von Grundwasser reagieren oder bewässert werden müssen.

• Die Nachfrage nach Getreide als Futtermittel steigert die Preise für Grundnahrungsmittel auf dem Weltmarkt.

• Der Flächenverbrauch zum Beispiel für Sojaanbau als Futtermittel verdrängt Lebensmittelproduzenten vor allem in Südamerika.

• Die Industriefischerei (für Futtermittel) zerstört vor allem in Westafrika und Südamerika die handwerkliche Fischerei, die für die Proteinversorgung vieler Menschen eine wichtige Rolle spielt.

• Die Nahrungsmittelproduktivität von Agrarland hält nicht mit dem globalen Bevölkerungswachstum mit, vor allem nicht mit der steigenden Nachfrage nach Fleisch und anderen tierischen Produkten. Für deren Erzeugung ist aber in der Regel viel mehr Fläche notwendig als für die direkte Erzeugung pflanzlicher Lebensmittel.